THE WHISPER OF THE JAGUAR

Regie: Thais Guisasola und Simon(e) Jaikiriuma Paetau • Land: Deutschland, Kolumbien und Brasilien, 2017 • 80 Min • Sprache: OmU portugiesisch mit deutschen Untertiteln. FSK: 12 •

Auf einem transgenetischen Maisfeld bereitet Sebastian*e, eine queere Künstlerin, eine Performance vor und ahnt dabei nicht, wie nahe sie ihrem eigenen Tod ist. Sebastian*es Schwester Ana, ein Punk-Girl aus der Stadt, folgt den Spuren ihrer Schwesterund begibt sich mit deren Asche auf eine Reise durch den Amazonas, die für sie zu einer spirituellen und sexuell befreienden Erfahrung wird. Faszinierende Begegnungen und Herausforderungen säumen den Weg, entlang dessen inmitten unausweichlicher Geschichten von Kolonialismus, Modernisierung und der gegenwärtigen politischen Lage Brasiliens immer wieder Sebastian*e erscheint. Nach und nach nimmt die Reise von Ana Besitz: nicht sie nimmt Ayahuasca, Ayahuasca nimmt sie; nicht sie überschreitet die Grenzen, die Grenzen überschreiten sie. Eine lesbische Orgie gipfelt in der übersinnlichen Verbindung mit der Lust ihrer Vorfahren, während die Heilpfanzen des Urwaldes ihr die Türen zu einer Unterwelt öfnen, die in performativen Visionen von Sebastian*e emporsteigt. Dieser Queer-Punk-Roadmovie bewegt sich so frei zwischen Performancekunst, politischem Statement und fktionalem Filmemachen wie die hybriden Körper und Identitäten seiner Figuren in der tropischen Atmosphäre aus Spiel, Protest und Transformation. The Whisper of the Jaguar wurde auf der Documenta 14 uraufgeführt.

Am 4.10. um 19 Uhr feiern wir die Kinopremiere in Anwesenheit von Simon(e) Jaikiriuma Paetau. Präsentiert in unserer Reihe

EN

The Whisper of the Jaguar is a queer-punk road movie, taking place across the Amazon and investigating indigenous knowledge and the experience of trance states through medicinal plants. By accessing the memories and traumas of her ancestors, the protagonist, Ana, who is carrying the ashes of her kuir (queer) activist brother, is confronted with her own imaginary perceptions of indigeneity, ego, and death in the contemporary political landscape of Brazil. Between poetic images and performances, the movie deals with issues of youth, hybridity, postcolonial subjects, kuir sexualities, environmental destruction, medicinal plants, jaguars, and loss.

Source: IMDB
 
This film is part of Wolf’s label Steppenwolf – bringing undistributed films to the cinema

This film is part of Wolf’s label Steppenwolf – bringing undistributed films to the cinema

ENDLESS POETRY (POESÍA SIN FIN)

Regie: Alejandro Jodorowsky, mit Brontis Jodorowsky, Adan Jodorowsky, Pamela Flores, Leoandro Taub, Frankreich/Chile 2016, 128 min, spanisch mit deutschen Untertiteln, FSK o.A.

Der Meister der Mitternachtsfilme Alejandro Jodorowsky (Der Heilige Berg, El Topo) ist mit fast neunzig Jahren zurück im Kino. Diesmal mit einer Autobiographie, die nicht nur die künstlerischen Wurzeln des Chilenen erkundet, sondern auch eine Art Heilungsprozess ist.

Der junge Alejandro entdeckt durch einen Diebstahl die Poesie. Es ist eine Sprache, die sich der Welt mit Offenheit und Neugier nähert, statt mit den engstirnigen Kategorien, in denen seine Familie ihre Wahrnehmung strukturiert. Der Vater ist autoritär und begegnet jeder Form von Zärtlichkeit mit Härte, die sich unter anderem in problematischen Männlichkeitsbildern und Dominanz ausdrückt. Die Mutter, eine Frau, die mehr singt als spricht, wird ihrerseits von dem bildlichen Korsett der eigenen Familie eingeengt. Keine guten Voraussetzungen also, um sich frei zu entfalten. Als sein Cousin Ricardo ihn schließlich in die Künstlerszene Santiago de Chiles einführt und ihm die Angst vor seiner Empfindsamkeit nimmt, blüht der junge Alejandro auf. ENDLESS POETRY wird getragen von einer Lust am Leben und an der Freiheit. Die Figuren sind überzeichnet, die Wortwahl und die Dialoge extrem. Provokativ und theatralisch ist der Film nicht nur Künstlerbiographie, sondern fragt nach den Formen der Erzählung, mit denen man einem Leben begegnet. In der künstlerischen Bearbeitung alter Konflikte findet Jodorowsky einen Erzählmodus, der weniger realistisch als therapeutisch ist.

- Franziska Merlo

Source: IMDB

  Offizielles Plakat von Miro Denck