HEUTE ODER MORGEN

Regie: Thomas Moritz Helm • mit Paula Knüpling, Maximilian Hildebrandt, Tala Gouveia • Deutschland 2019, 94 Min. • deutsch-englische OF, teilw. mit deutschen UT and with English subtitles • FSK o.A. • ab 19. September 2019

screening in German and English with German and English subtitles

"Ein kleines, leichtfüßiges Sommerwunder also, wundervoll frisch und ehrlich sexy." (epd Film)

Heute oder Morgen zeichnet das Porträt von drei jungen Menschen, die sich einen „Neuköllner Sommer“ lang in eine Ménage-à-trois stürzen. Um ihre Utopie von Liebe und Begehren zu leben, in der weder class, race noch gender eine Rolle spielen, blenden sie die Außenwelt komplett aus. Bis sie gezwungen werden eine Entscheidung zu treffen. Es ist das Langspielfilmdebüt des Autorenfilmemachers Thomas-Moritz Helm, das er mit seiner Produktionsfirma CASQUE film selbst produziert hat. Auch das Buch und die spielerischen, klugen Dialoge stammen von ihm. Für die atmosphärischen Bilder ist Stefan Neuberger verantwortlich.

Niels (Maximilian Hildebrandt) und Maria (Paula Knüpling) sind seit zwei Jahren ein Paar und suchen den Thrill in spontanen Liebesabenteuern, die sie gemeinsam provozieren. Sie wollen Nervenkitzel, Sinnlichkeit, Lust. Und leben ganz im Moment. Der Film vermittelt ihr Lebensgefühl, das der Titel umschreibt. Niels jobbt in einem hippen Café, Maria geht mit ihren Freunden malen. Zusammen gehen sie bis ins Morgengrauen feiern. Chillen in der Luxuswohnung von Niels Onkel, der sie ihnen den Sommer lang überlassen hat. Kiffen. Bis zu dem dem Moment, in dem Niels die attraktive Engländerin Chloé (Tala Gouveia) in der U-Bahn sieht. Er animiert Maria die Fremde anzusprechen. Bald ist nichts mehr so, wie es mal war.

Ganz nah an seinen Protagonisten, in Bildern, die ansteckend sind, erotisieren, verführen und zugleich feinfühlig berühren, erzählt der Film die Geschichte von „Heute oder Morgen“ wie einen sinnlichen Rausch, der sich all seiner Wohlstandsabgründe bewusst ist und trotzdem ehrlich bleibt.

Der Film erklärt ihre Liebe als herrschaftsfreies Terrain abstrakter Privatheit, die alles Wechselseitige ausschließt und die Liebe ihrer ökonomischen Aspekte entkleidet. Was sehen wir dann? Einen betörenden Film über das haltlose Begehren einer Jugend.

Thomas-Moritz Helm Abschlussfilm an der Filmuniversität Konrad Wolf, der Kurzfilm Ein kleiner Augenblick des Glücks, lief auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals. 2013 wurde er u.a. für den deutschen Kurzfilmpreis nominiert.

Isabella Oliveira Parise Kröger

heuteodermorgen72.jpg