ER SIE ICH

Regie: Carlotta Kittel, Deutschland 2017, 88 min, Deutsch mit englischen Untertiteln, FSK 0, ab 8.3., Premiere im Wolf am 6.3.

1986 lernten sich Christian und Angela in Berlin kennen, nicht lange danach wurde Angela schwanger, seitdem sind die beiden auf keinen grünen Zweig mehr gekommen. Die Tochter, Carlotta, ist inzwischen erwachsen und Regisseurin. Was sonst dazwischen geschah, das ist Erinnerung. Widersprüchliche.

Der Aufbau des Dokumentarfilms ist einfach, was dabei erzählt wird umso komplexer: Die Regisseurin befragte ihre Eltern separat zu ihrer Entstehungsgeschichte. Das Material, das dabei entstand, spielt sie nun wiederum dem jeweils anderen vor, lässt die beiden darauf reagieren, fragt von hinter der Kamera nach, gibt ihren Eltern Raum, sich zu dem Gesagten zu positionieren, zu protestieren, ihre Version zu erzählen. Und doch müssen beide damit leben, dass auch eine andere Version darüber, was damals passiert ist, existiert.

  The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

Er sie ich erzählt von den Schwierigkeiten von Beziehungen, davon, wie sehr sie kränken und scheitern können und davon, wie subjektiv die Erinnerung ist.

Ein Dialog, der im echten Leben unmöglich erscheint – zu viel passiert, zu viel Verletzung, keiner möchte mehr mit dem Anderen reden – kommt hier filmisch zustande. Und Kittel schafft es so, aus ihrer persönlichen Geschichte eine sehr universelle und berührende zu machen.

- Marie Kloos

  Source: IMDB