EL MAR LA MAR

Regie: Joshua Bonnetta und J.P.Sniadecki, USA 2017, 94 min, Englisch und Spanisch mit deutschen Untertiteln, FSK n.V., ab 7.6.

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Am Anfang ein starkes Gefühl von Orientierungslosigkeit. Bilder von Bäumen flackern vorbei, rasend schnell fährt die Kamera an einem Gitterzaun entlang, der unendlich scheint. 

Immer wieder ist in Joshua Bonnettas und J.P. Sniadeckis El mar la mar von Menschen die Rede, die sich bei der Durchquerung der amerikanisch-mexikanischen Grenze in der Sonora-Wüste verirren und unter der erbarmungslosen Sonne umkommen. Die langen Landschaftseinstellungen ähneln einander, die Büsche und Kakteen, die die Kamera isoliert, erscheinen nicht als spezifische Exemplare. Die Natur gibt keine Zeichen. Die Wüste ist kein Ort für Menschen. Anwohner*innen, Aktivist*innen und Migrant*innen tauchen als Stimmen auf, die Wüste zeigt sich menschenleer, ohne es zu sein. Die Personen, die sie durchqueren, bleiben unsichtbar oder manifestieren sich in Erzählungen von flüchtigen Begegnungen, ihre Spuren - Geldscheine, Wasserflaschen, Kleidungsstücke – verweisen auf sie. Körper, die bleiben, werden als Body Count erfasst und sind der traurige Beleg für die Grausamkeit der amerikanischen Grenzpolitik. Der Gebrauch von 16mm-Film als indexikalisches Medium scheint hier noch unmittelbarer die menschlichen Spuren in der Wüste zu fixieren und so auf die politische Notwendigkeit der Sichtbarmachung zu verweisen.

– Franziska Merlo