Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Regie: Ann Carolin Renninger und René Frölke, Deutschland 2017, 83 min, Deutsch, FSK n.V., ab 14.6.

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Die Zeit zeigt sich in vielen Gestalten. Der Rollator quietscht spitz, wenn Willi ihn über seinen Hof schiebt, um die Hühner zu füttern. Ein Stuhl steht herum, das Moos schiebt sich an seinem Bein nach oben. Die Nachbarin kommt vorbei und erzählt von einer Goldhochzeit. Im Haus hat schon lange niemand mehr die Blumen gegossen, dafür zieren feine Netze die Blätter.

Willis Hände zeugen von einem arbeitssamen Leben. Sie fahren durch das Fell der dösenden Katze, deren Schnurren den Raum erfüllt. Langsam die Bewegungen, er hat Zeit. Das Filmmaterial gibt einen Rhythmus vor, die 16mm- und Super8-Kameras beschränken die Dauer der Einstellungen. Jede Geste, jedes Bild geschieht mit Bedacht. Die Grenzen heben die Qualität des Augenblicks hervor, man ist ganz im Jetzt. Willi gestaltet sein Leben autonom und pragmatisch und legt großen Wert darauf.

Ein Jahr lang haben Ann Carolin Renninger und René Frölke den alten norddeutschen Bauern auf seinem Hof besucht und dort gefilmt. Entstanden ist ein Film, der das Alter als einen entschleunigten Raum zeigt.

– Franziska Merlo