Taste of Cement

Regie: Ziad Kalthoum, Libanon/Deutschland/Syrien/Qatar 2017, 85 min, Arabisch mit deutschen Untertiteln, FSK 12, ab 24.5.

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Schreiendes Kreischen von Sägen, Knirschen von Zementmahlern, Klopfen von Hammern und dann auch immer wieder Stille: die syrischen Bauarbeiter, die in Beirut den Bauboom vorantreiben, leben inmitten des Lärms der Maschinen, aber gleichzeitig isoliert vom Lärm der Stadt. Abends verschlingt sie der Rohbau des Hochhauses, auf dem sie arbeiten: durch ein kleines Loch verschwinden sie im dunklen Inneren, in dem sie während der Bauphase wohnen. Ohne Tageslicht, ohne die Baustelle nach 19 Uhr verlassen zu dürfen – denn für Syrer herrscht eine Ausgangssperre. Dort verfolgen sie dann Nachrichten aus der Heimat, Nachrichten von der Zerstörung. Am Morgen geht es zur Konstruktion wieder hoch in die 10. Etage. 

Im einen Land wird schon wieder aufgebaut, im anderen vernichtet. Der Geschmack von Zement bestimmt in beiden Fällen das Leben, zwischen den Trümmern zuhause und auf der Baustelle im Nachbarland.

Ziad Kalthoums mächtiger und vielprämierter Essayfilm verbindet eine Erzählung von zwei Generationen von syrischen Arbeitern im Libanon, von Träumen und Albträumen im Exil, mit Bildern vom Bau- und Zerstörungswahn des Menschen, von Maschinen und gesichtslosen Arbeitern eines Systems, dessen sich stetig wiederholende Abläufe den Rhythmus des Lebens vorgeben.

– Marie Kloos