EIN LEBEN (UNE VIE)

Regie: Stéphane Brizé, mit Judith Chelma, Jean-Pierre Darroussin, Yolande Moreau, Swann Arlaud, Frankreich/Belgien 2017, 119 min, Französisch mit deutschen Untertiteln, FSK 12, ab 24.5.

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Stéphane Brizé hat zuletzt in Der Wert des Menschen (La loi du marché) sein meisterhaftes Talent zum filmischen Realismus unter Beweis gestellt und auch sein gerade in Cannes gezeigter En guerre verspricht Einiges. Sein aktueller Film nun, Une vie, bringt seine sehr ausgefeilte Ästhetik in eine Zeit, in der man einen solchen Stil sonst nicht sieht: ins 19. Jahrhundert. Weit, weit entfernt von einem Kostümschinken, der die Verfilmung eines Guy de Maupassant Romans hätte werden können, kommt Une vie so zeitgenössisch, so modern daher, dass er eine enorme Wucht entwickelt. 

Brizé erzählt die Geschichte einer Frau, die den falschen heiratet und fortan die Konsequenzen zu tragen hat mit viel Sinn für Stimmungen zwischen Menschen, ihre Beziehungen, für Kränkungen und persönliche Tragödien, feinfühlig, melancholisch, präzise und liebevoll seinen Charakteren gegenüber. Ein Film, in dem Antoine Héberlés Kamera nah an seinen Subjekten bleibt, dabei Leichtigkeit und Natürlichkeit verströmt und es den Darsteller/innen, allen voran Judith Chelma, ermöglicht, all ihr Können unter Beweis zu stellen.

– Marie Kloos