DIRECTIONS (POSOKI)

Regie: Stephan Komandarev, mit Haralan Alexandrov, Dimitar Banenkin, Vasil Banov, Bulgarien/Deutschland/Mazedonien 2017, 103 min, Bulgarisch mit deutschen Untertiteln, FSK n.V., ab 10.5.

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In Directions – Geschichten einer Nacht (im Original „Posoki“) zeichnet der bulgarische Regisseur Stephan Komandarev ein einschlägiges und facettenreiches Bild der postkommunistischen bulgarischen Gesellschaft, indem er episodenhaft mehreren Taxifahrern und ihren Geschichten einen Tag und eine Nacht lang auf den Straßen Sofias folgt.

Die episodische Struktur des Films erinnert an Filme wie Night on Earth von Jim Jarmusch, setzt sich aber deutlich in der Inszenierung und immersiven Bildgestaltung von seinen Vorgängern ab. Die Szenen sind in langen Plansequenzen gedreht und erlauben dadurch eine große Nähe zu den Figuren und ihren Geschichten, die einen schonungslosen Einblick in die vielen Probleme (Korruption, Armut, soziale Ungerechtigkeit, Aufarbeitung der Vergangenheit) des Landes geben. In einem bestimmten Moment fällt der Satz im Film: „Bulgarien ist voller Optimisten, da die Pessimisten und Realisten das Land verlassen haben.“

Der doppelte Sinn dieser Zustandsbeschreibung macht das auf-der-Strecke-Gebliebene der Fahrer und Beifahrer deutlich, die gezwungen sind, sich mit dem hoffnungslosen Klima und der herrschenden Perspektivlosigkeit abzufinden. Gleichzeitig sind sie unfreiwillige Hoffnungsträger, da sie trotz der kritischen Lage mit ihrer Arbeit und der täglichen Auseinandersetzung mit den Problemen der kleinen Leute ihr Land am Leben erhalten, das aber – wie einer der Fahrgäste am Ende des Films – einer Herztransplantation bedarf.

Directions ist nicht nur ein Film über das heutige Bulgarien, sondern öffnet den Blick für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse in den ehemaligen Ostblockstaaten, die mittlerweile zur Europäischen Union gehören, aber sich noch nicht von der historischen Last des Kommunismus befreit haben. 

– Marcin Malaszczak