DIE SANFTE

Regie: Sergei Loznitsa, mit Vasilina Makovtseva, Marina Kleshcheva, Lia Akhedzhakova, Valeriu Andriuta, Boris Kamorzin, Frankreich/Deutschland/Litauen/Niederlande 2017,
143 min, Russisch mit deutschen Untertiteln, FSK 12, ab 3.5.

 Die Sanfte

Die Sanfte

Die Sanfte ist der aktuelle Film des Ukrainers Sergei Loznitsa, der wohl einer der vielseitigsten und produktivsten Filmemacher unserer Zeit ist. Loznitsa hat sich als wichtiger Dokumentarfilmer etabliert, der ebenso ein Meister im fiktionalen Film ist. Wie sein ganzes Werk ist auch dieser Film – der im Wettbewerb von Cannes seine Premiere feierte – ästhetisch ausdrucksstark, thematisch aktuell und politisch engagiert. Die Sanfte basiert auf einer Kurzgeschichte von Fjodor Dostojewski, die von einer Frau erzählt, die sich auf die Suche nach ihrem Mann macht. Dieser sitzt eigentlich im Gefängnis, doch eines Tages kommt ein Paket, das sie an ihn schickt, zurück.

Beginnend in ihrem kleinen Dorf folgen wir der Sanften auf der Suche nach Informationen über das Verbleiben ihres Mannes, eine Suche, die sie in ein Netz von Zynismus, Zweideutigkeiten und geistige sowie physische Gewalt verstrickt. 

Loznitsa nutzt ihre Geschichte als Parabel für das Leben in der heutigen russischen Gesellschaft und kritisiert damit scharf die vorherrschende Korruption, Frauenfeindlichkeit und bürokratischen Stillstand. Filmisch nutzt er sowohl strengen Realismus als auch erstaunlichen Symbolismus. Er erschafft so ein wahrhaft humanistisches, unvoreingenommenes Kino, das an den englischen Filmemacher Lindsay Anderson erinnert (If..., O Lucky Man!). So zeigt dieser Film Kino als eine essentielle Form von gesellschaftlichem Kommentar auf der Suche nach Gerechtigkeit und Würde, unerreichbare Werte in einer Gesellschaft, in der sich diese Begriffe schon lange aufgelöst haben.

– Kris Woods