DER HIMMEL ÜBER BERLIN

Regie: Wim Wenders, mit Bruno Ganz, Peter Falk, Otto Sander, Solveig Dommartin, Westdeutschland / Frankreich 1987, 130 min, Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Hebräisch, Spanisch, Japanisch mit deutschen Untertiteln, FSK 0, ab 12.4.

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Drei Jahre nach seinem viel gerühmten Meisterwerk Paris, Texas (und zwei ebenfalls fremdsprachigen Dokumentarfilmen) zog es Wim Wenders 1987 zurück nach Deutschland, wo er mit Der Himmel über Berlin der damals geteilten Noch-nicht-Hauptstadt ein Denkmal setzte.

Obwohl wir es dabei mit einem einzigartigen Zeitzeugnis zu tun haben, könnte der Film eigentlich auch in jeder anderen Stadt spielen, denn die Geschichte, die er erzählt ist maximal universell. Auf einfühlsame und poetische Art und Weise führen uns Wenders und sein Co-Autor Peter Handke die Vergänglichkeit allen Seins vor Augen und stellen die Frage in den Raum, wie wir die uns zur Verfügung stehende Zeit nutzen wollen. In den beiden Engeln Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) finden wir zwei stille Beobachter, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch die Jahrtausende hinweg die Lebenswirklichkeit der Menschen zu dokumentieren. In den Straßen und Räumen Berlins kreuzen sie unbemerkt deren einsame Lebenswege und lauschen ihren Gedanken und Gefühlen, um sie für alle Ewigkeit festzuhalten und den Menschen gelegentlich neuen Mut einzuhauchen.

Die Eindrücke, die wir dabei als Zuschauer gewinnen, inspirieren zur Empathie und legen die Vermutung nahe, dass unsere Welt vielleicht eine weniger kalte wäre, wenn wir alle die Fähigkeiten und die Geduld der beiden Protagonisten hätten. Erst langsam rückt in dieser dokumentierenden Erzählung die Geschichte des Engels Damiel in den Vordergrund, der mehr und mehr Faszination am endlichen irdischen Dasein findet, einer Existenz, die erst aus ihrer zeitlichen Begrenztheit ihren wahren Wert schöpft.

Wim Wenders‘ international gefeierter Klassiker gewann 1987 in Cannes den Preis für die beste Regie, 1988 den deutschen und den Europäischen Filmpreis und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Jetzt ist er erstmals in digital restaurierter Fassung wieder im Kino zu sehen. – Miro Denck