BEACH RATS

Regie: Eliza Hittman, mit Harris Dickinson, Madeline Weinstein, Kate Hodge, USA 2017, 98 min, Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK 16, ab 25.1.

Es ist ein heißer Sommer auf Coney Island – ein Sommer, den der 19-jährige Frankie vielleicht besonders in Erinnerung behalten wird. Sein Vater liegt im Sterben, seine Mutter und die kleine Schwester halten die Stellung und Frankie tut, als komme er mit allem klar. Tut er aber nicht. Seine äußerliche Gelassenheit ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines Dauerhighs, denn er klaut die Medikamente des Vaters, schluckt sie selbst oder verhökert sie. Er flirtet mit der schönen, selbstbewussten Simone an der Strandpromenade vor seinen Macho-Kumpels, doch spätnachts geht er in einen Chatroom und sucht nach älteren Männern – bald trifft er dann auch den ein oder anderen und hat an versteckten Orten des Strandes, in der Anonymität der Dunkelheit, seine ersten homosexuellen Erlebnisse. Wie viele Teenager durchlebt Frankie eine Zeit der schrecklichen Unsicherheit und in seiner Umgebung zeigt man seine Gefühle besser nicht, schon gar nicht wenn man vielleicht schwul ist. Aber je mehr die sommerlichen Temperaturen ansteigen, je härter er mit seinen Kumpels feiert und je näher der Vater dem Tod kommt, desto mehr kocht es in Frankies äußerlich kühl wirkendem Herzen über.

  The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

Regisseurin Eliza Hittman ist fasziniert von den Körpern der jungen Menschen und ihren Identitätskrisen. Mit Feingefühl inszeniert sie die unterschwellig-homoerotischen Posen der Macho-Clique, Frankies Treffen mit der koketten Simone und zeigt in den Begegnungen mit älteren Männern die Verletzlichkeit hinter seiner Maske. Die französische Kamerafrau Hélène Louvart umrahmt immer wieder Körperteile und ungewöhnliche Ausschnitte auf sinnliche Weise. Gedreht wurde auf einem körnigen 16mm-Material, der Beach Rats eine Zeitlosigkeit gibt. Der Brite Harris Dickinson ist beeindruckend in der Rolle von Frankie, feinfühlig im Geist und mit starker körperlicher Präsenz. Was Beach Rats noch dazu ungewöhnlich macht, ist der Blick von zwei Frauen auf die jugendlichen Körper der Teenager, fast als seien die Töchter von Larry Clark am Werk.

- Verena von Stackelberg

  Toby Conrad in the documentary “Completely in the Present,” directed by Tyler Hubby. Credit via Tyler Hubby
  Source: IMDB

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