MANIFESTO

Regie: Julian Rosefeldt, mit Cate Blanchett, Deutschland/ Australien 2015, 98 min, Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK 0.

Source: IMDB

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In Manifesto (er beruht auf einer Installation im Hamburger Bahnhof) spielt Cate Blanchett zwölf verschiedene Rollen, in denen sie verschiedene Manifeste spricht: Als gröhlender Obdachloser das Kommunistische Manifest Karl Marx’, in einem Großraumbüro skandiert sie das Manifest der Futuristen, „Das Leiden des Menschen interessiert uns so sehr wie das Leiden einer elektrischen Glühbirne“ (Oh wenn die Futuristen gewusst hätten, dass der lächerliche Mensch am Ende die Glühbirnen doch überleben würde).

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Nun gibt es kaum etwas so Furchtbares, wie Filme „die von ihrem/r Hauptdarsteller/in getragen werden“. Siehe The Revenant et al. – trauernde, mordende, verzweifelnde, sich in Tränen und Menstruationsblut auflösende Superstars, die bei veganem Catering und mit der Hilfe von 3872 Assistenten an ihre Grenzen gehen! So berührend! In Manifesto liegt die Sache zum Glück etwas anders, weil der Film eben bewusst auch eine Feier von Cate Blanchett als Schauspielerin ist: Es ist eine Freude, zu beobachten, wie sich ihre Mimik, ihre Haltung, ihr ganzer Impetus verändert – sei es als reiche Vorstadtmutter, als Berliner Punk, als Rednerin auf einer Beerdigung – bis, jedes Mal auf andere Art und Weise, die Wut, der Rhythmus der Zeilen sie in Besitz nimmt. Ob einen das über die Länge des Filmes trägt, hängt davon ab, wie sehr man sich einlassen kann auf das Schöne und das Brutale der Texte, aber tut man es, sitzen die Zeilen noch lange später im Kopf fest, ein Chor, vorgetragen von einer einzigen Sängerin, ein Orchesterstück, gespielt von einer einzigen Geige.

- Juliane Liebert

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