UKNOWN PLEASURES - Wir haben dem Kurator Hannes Brühwiler einige Fragen zu seiner Arbeit gestellt...

Vom 13. bis zum 21. Januar kommt das Unknown Pleasures – American Independent Film Festival ins Wolf. Wir haben dem Kurator Hannes Brühwiler einige Fragen zu seiner Arbeit gestellt.

  Hannes Brühwiler, Foto: Martin Daßinnies

Hannes Brühwiler, Foto: Martin Daßinnies

Hannes, bald eröffnet die bereits 9. Ausgabe von Unknown Pleasures. Aus was für einer Motivation entstand das Festival damals?

In den Jahren 2007 und 2008 habe ich auf Festivals immer wieder sehr interessante Independent-Filme gesehen, die dann jedoch nie in Berlin zu sehen waren. Gleichzeitig wurde auf Blogs sehr viel über eine neue Generation von Filmemachern diskutiert, die man unter dem Begriff Mumblecore versammelte. Ich habe also angefangen einige dieser Filmemacher anzuschreiben und mir dann deren Filme angeschaut. So hatte ich relativ schnell verschiedene Filme zusammen, die ich sehr gerne zeigen wollte. Im Programm von UP#1 fanden sich somit die ersten Filme von Barry Jenkings, Josh & Benny Safdie, Joe Swanberg und Aaron Katz. Gleichzeitig wütete 2008 die Finanzkrise und der Independent-Film wurde sehr stark davon betroffen. Es war damals nicht klar, was dies für den unabhängigen Film bedeuten würde. Diese Entwicklungen zu begleiten, dass war auch eines der Ziele von UP.

Was ist denn eigentlich für dich heute unabhängiger Film? Und was sind deine Kriterien bei der Auswahl?

Ganz allgemein kann man sagen, dass ich mich auf Filme konzentriere, die außerhalb des Studiosystems entstehen. Die Bezeichnung Independent-Film hat sich jedoch im Verlauf der späten 1980er und der 1990er Jahre gewandelt und steht heute immer öfter für einen Marketing-Begriff als für ein ästhetisches Dispositiv. Während früher die Bezeichnung „Independent“ für ganz unterschiedliche Arten von Filmen stand (nicht nur Spielfilme, sondern ganz selbstverständlich auch Dokumentar- und Experimentalfilme), so hat sich das heute ganz stark auf den Spielfilm verengt. Ich dagegen versuche ein möglichst breites Spektrum des unabhängigen Filmschaffens zu zeigen. Im Programm finden sich also „klassische“ Independent-Spielfilme wie Person to Person oder die Filme von Stephen Cone aber gleichzeitig auch experimentellere Arbeiten wie Do Donkeys Act?.

Wie sieht du dabei die Rolle von Filmfestivals heute?

Während die Streaming-Plattformen einen immer größeren Einfluss auf unsere Sehgewohnheiten ausüben, so sind Festivals oft die einzigen Orte, an denen man eine gewisse Art des Filmschaffens überhaupt noch auf großer Leinwand sehen kann. Insofern nehmen sie eine wichtige Rolle ein und stellen ein ergänzendes Distributionsnetzwerk dar. Zudem bieten Festivals die Möglichkeit direkt mit den anwesenden Gästen zu sprechen. Der Dialog zwischen dem Publikum und eingeladenen Filmemachern erscheint mir immer wichtiger zu werden und ist ein wichtiges Merkmal jedes Festivals. So freut es mich besonders, dass dieses Jahr gleich mehere Filmemacher ihre Filme vorstellen werden.

Das Festival legt dieses Jahr einen Fokus auf das filmische Werk von Stephen Cone. Wir freuen uns sehr, ihn als Gast bei uns zu begrüßen!