SPK KOMPLEX

Regie: Gerd Kroske, Deutschland 2018, 111 min, Deutsch, FSK 6, ab 19.4.

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1970 gründete der Arzt Wolfgang Huber in Heidelberg mit Patient/innen das „Sozialistische Patientenkollektiv“, kurz SPK. Die antipsychiatrisch ausgerichtete Gruppe kritisierte die damalige Behandlung von psychisch Kranken als „Verwahr-Psychiatrie“ und verknüpfte innovative Therapiemethoden mit politischen Forderungen. Hubers Experiment fand bald viele Anhänger, führte aber auch zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Uni Heidelberg und der baden-württembergischen Landesregierung. Im Zuspitzen des Konflikts radikalisierte sich das SPK, Gerüchte über latente Verbindungen zur RAF wurden laut. Huber, seine Frau und weitere Mitstreiter wurden verhaftet und vor Gericht gestellt.

Die SPK–Prozesse nahmen in der Härte, mit der sie von beiden Seiten geführt wurden – von Versuchen, Rechtsanwälte auszuschließen, bis zur Totalverweigerung der Angeklagten – die späteren Stammheim-Prozesse vorweg. Am Ende wurde das SPK zur kriminellen Vereinigung erklärt; Huber und seine Frau wurden zu langen Haftstrafen verurteilt und verloren ihre Approbationen. Seither haftet dem SPK der fragwürdige Ruf an, die RAF unterstützt zu haben und letztendlich in deren Terror aufgegangen zu sein. Dieser Ruf überlagert, worum es Huber und dem SPK eigentlich ging: um die Rechte von Patient/innen und um Therapien zur Selbstermächtigung.

In SPK Komplex erzählt Gerd Kroske die weitgehend unbekannte Geschichte des SPK und ihrer Folgen bis heute. Eine Geschichte vom Irresein und Irrewerden, von öffentlicher Wahrnehmung und den Mechanismen von Gewalt.

Am 24. April kommt Regisseur Gerd Kroske zu einem Filmgespräch!

 

DER HIMMEL ÜBER BERLIN

Regie: Wim Wenders, mit Bruno Ganz, Peter Falk, Otto Sander, Solveig Dommartin, Westdeutschland / Frankreich 1987, 130 min, Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Hebräisch, Spanisch, Japanisch mit deutschen Untertiteln, FSK 0, ab 12.4.

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Drei Jahre nach seinem viel gerühmten Meisterwerk Paris, Texas (und zwei ebenfalls fremdsprachigen Dokumentarfilmen) zog es Wim Wenders 1987 zurück nach Deutschland, wo er mit Der Himmel über Berlin der damals geteilten Noch-nicht-Hauptstadt ein Denkmal setzte.

Obwohl wir es dabei mit einem einzigartigen Zeitzeugnis zu tun haben, könnte der Film eigentlich auch in jeder anderen Stadt spielen, denn die Geschichte, die er erzählt ist maximal universell. Auf einfühlsame und poetische Art und Weise führen uns Wenders und sein Co-Autor Peter Handke die Vergänglichkeit allen Seins vor Augen und stellen die Frage in den Raum, wie wir die uns zur Verfügung stehende Zeit nutzen wollen. In den beiden Engeln Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) finden wir zwei stille Beobachter, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch die Jahrtausende hinweg die Lebenswirklichkeit der Menschen zu dokumentieren. In den Straßen und Räumen Berlins kreuzen sie unbemerkt deren einsame Lebenswege und lauschen ihren Gedanken und Gefühlen, um sie für alle Ewigkeit festzuhalten und den Menschen gelegentlich neuen Mut einzuhauchen.

Die Eindrücke, die wir dabei als Zuschauer gewinnen, inspirieren zur Empathie und legen die Vermutung nahe, dass unsere Welt vielleicht eine weniger kalte wäre, wenn wir alle die Fähigkeiten und die Geduld der beiden Protagonisten hätten. Erst langsam rückt in dieser dokumentierenden Erzählung die Geschichte des Engels Damiel in den Vordergrund, der mehr und mehr Faszination am endlichen irdischen Dasein findet, einer Existenz, die erst aus ihrer zeitlichen Begrenztheit ihren wahren Wert schöpft.

Wim Wenders‘ international gefeierter Klassiker gewann 1987 in Cannes den Preis für die beste Regie, 1988 den deutschen und den Europäischen Filmpreis und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Jetzt ist er erstmals in digital restaurierter Fassung wieder im Kino zu sehen. – Miro Denck

CAMERAPERSON

Regie: Kirsten Johnson, USA 2016, 102 min, Englisch, Bosnisch, Arabisch, Dari, Hausa und Fur mit englischen Untertiteln, kein FSK, ab 5.4.

 Cameraperson

Cameraperson

Was bedeutet es, jemanden zu filmen? Wie beeinflusst es die gefilmte Person – und was macht es mit der Person, die filmt? Kirsten Johnson ist eine der bekanntesten Kamerafrauen im zeitgenössischen Dokumentarfilm und war für die Kameraarbeit an Citizenfour, Fahrenheit 9/11, Der Eid, The Invisible War und dutzenden anderen unentbehrlichen Filmen verantwortlich. Mit ihrem visuell beeindruckenden Film Cameraperson, der gleichzeitig ihre Memoiren markiert, präsentiert Johnson einen außergewöhnlichen und tief poetischen eigenen Film. Er basiert auf vielfältigem, von ihr gefilmten Material, das sie in neue Zusammenhänge setzt, welche zeigen, wie sich ihre Arbeit auf sie auswirkt. Das Ergebnis ist eine Reflexion über die Beziehung des Geschichtenerzählens zum Bildausschnitt: und so transformiert Johnson Szenen, die in Filmen anderer Regisseure eine Wahrheit erzählen in eine Geschichte über eine persönliche Reise, über Handwerk und menschliche Verbindungen.

Wir zeigen den Film, der in Deutschland keinen regulären Kinostart hat, ab 5. April (zusammen mit der Brotfabrik in Pankow) unter dem Namen „Steppenwolf“, unter dem wir ab jetzt Filme ins Kino bringen, die sonst in Deutschland keinen Verleih haben!

PETERCHENS MONDFAHRT

Regie: Wolfgang Urchs, Deutschland 1990, 80 min, Deutsch, FSK 0.

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Eines Abends, kurz nach dem Zubettgehen und kurz vor dem Träumen, bekommen Anneliese und Peterchen Besuch in ihrem Kinderzimmer: Es ist der geigenspielende Maikäfer Sumsemann. Die Kinder schließen Freundschaft mit ihm und versprechen, ihm bei der Suche nach seinem fehlenden sechsten Beinchen zu helfen, das der gefräßige Mondmann vor langer Zeit auf den Mondberg gebracht hat und dort aufmerksam bewacht. Für die lange Reise durch den nächtlichen Himmel müssen Peterchen und Anneliese jedoch erstmal fliegen lernen und eine Flugprüfung ablegen...

RÜCKENWIND VON VORN

Regie: Philipp Eichholtz, mit Victoria Schulz, Aleksandar Radenković, Daniel Zillmann, Angelika Waller, Deutschland 2018, 80 min, Deutsch ohne Untertitel, kein FSK, ab 22.3.

Sich von einer Windböe am Strand umwerfen zu lassen hat Charlie schon als Kind mehr Freude als Angst beschert. Dann kam das Leben – Schule, Abitur, Studium, Beziehung und fester Job. Während die beste Freundin um die Welt reist und der Kollege auf ein Wohnmobil spart, ist Charlie genervt vom Schmatzen ihres Freundes. Anstatt ihm bei der Kinderplanung zu helfen, will sie tanzen gehen, ausbrechen, nach Südkorea reisen und der Absehbarkeit des Lebens entfliehen. Also fährt der Freund mit Sodbrennen zurück in die Altbauwohnung und Charlie trinkt und dreht sich um sich selbst. Am Tag darauf bleibt der Kopfschmerz und die Frage, wie dieses Ausbrechen eigentlich geht.

  The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

Philipp Eichholtz porträtiert eine Protagonistin, die zwischen Geborgenheit und Stillstand, Lebensfreude und Lethargie taumelt. Mit einem liebevollen aber nicht unkritischen Blick widmet er sich somit einer Generation Y, die eigentlich alles hat, alles machen kann und mit dieser Sicherheit und Freiheit überfordert ist. Die meist improvisierten Dialoge, der sympathische Cast, allen voran Angelika Waller als bezaubernde Oma Lisbeth, und der immer wieder das Geschehen auf amüsante Weise kommentierende Soundtrack schaffen ein leichtes und zugleich nachwirkendes neues Stück des Deutschen Kinos.

- Martha Westhoff

  Source: IMDB