KÖNIGIN VON NIENDORF

Regie: Joya Thome, mit Lisa Moell, Mex Schlüpfer, Denny Sonnenschein, Deutschland 2017, 67 min, Deutsch, FSK 0 ab 15.2.

Es sind Sommerferien. Aber Lust, ins Feriencamp zu fahren hat die zehnjährige Lea nicht. Ihre Freundinnen interessieren sich nur noch für Jungs und finden Lea doof, weshalb wiederrum Lea sie doof findet. Aber im brandenburgischen Niendorf kann man auch so genug erleben: Felder und Wiesen, Zugstrecken und der Hof von Musiker Mark, der seine Zeit damit verbringt, entweder in einer Badewanne im Freien zu sitzen oder auf seinem Bett zu komponieren. Mark ist Außenseiter, genauso wie Lea. Und was ihre Eltern nicht verstehen, das versteht er. Am liebsten aber möchte Lea Teil der Jungsbande sein, die Niendorf unsicher macht. Die haben nämlich ein Baumhaus und ein Floß und erleben allerlei Abenteuer. Aber die Jungs haben keine Lust auf Mädchen in der Bande. Lea aber lässt nicht locker und stimmt sogar einer Mutprobe zu, um aufgenommen zu werden.

The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

Der Debütfilm der Berliner Regisseurin Joya Thome erzählt mit viel toller Musik von einem unbeschwerten Sommer, von endlos erscheinenden Tagen und einer Zeit, die ganz den Kindern gehört.

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Mit einem kleinen Team und einem noch kleineren Budget drehte sie in dem Dorf, in dem sie selbst große Teile ihrer Kindheit verbrachte und fand in ihrer Hauptdarstellerin eine bezaubernde Protagonistin. Herausgekommen ist ein Abenteuerfilm, der mit moralischen Hauptfiguren aber ohne „Moral von der Geschicht’“ auskommt und vom dem man sich wünscht, ihn als Kind gesehen zu haben.



- Marie Kloos

Source: IMDB
One of a kind interpretation by Wolf Miro Denck Instagram

One of a kind interpretation by Wolf Miro Denck Instagram

THE WOMAN WHO LEFT

Regie: Lav Diaz, mit Charo Santos-Concio, John Lloyd Cruz, Michael De Mesa, Nonie Buencamino, Philippinen 2016, 228 min, Tagalog, Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK n.b., ab 4.2.

Es ist 1997 und Horacia sitzt seit 30 Jahren wegen Mordes im Gefängnis. Dann tauchen neue Beweise auf, die ihre Unschuld beweisen – und die Schuld ihres reichen Liebhabers aus Jugendtagen. Horacia ist eine freie Frau, doch die Jahrzehnte haben ihr alles genommen. Was ihr bleibt, ist die kalte Wut auf den Mann, der sie einst ins Gefängnis brachte. Der ist noch wohlhabender als zuvor, verbarrikadiert sich aber aus Angst vor einer Entführung in seinem Anwesen. Im Schatten dieser Mauern lernt Horacia ein paar Nachtgestalten kennen: eine transsexuelle Prostituierte, eine von Dämonen geplagte Obdachlose und einen buckligen Eierverkäufer. Während sie ihnen eine großherzige Freundin wird, wartet Horacia geduldig auf ihre Gelegenheit zur Rache. Lav Diaz gelingt ein visuell überwältigendes, archaisches und tief menschliches Drama über Schuld und Solidarität, Absolution und Rache.

- Filmfest Hamburg

Wir zeigen The Woman Who Left am Sonntag, den 4. Februar und am Sonntag, den 11. Februar!

THE DISASTER ARTIST

Regie: James Franco, mit James Franco, Dave Franco, Ari Graynor, Alison Brie, Seth Rogen, USA 2017, 104 min, Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK 12, ab 8.2.

Oft als der „beste aller schlechten Filme, die jemals gemacht wurden“ bezeichnet, hat Tommy Wisseaus The Room inzwischen eine große und treue Fangemeinde gewonnen und ist seit seinem Erscheinen 2003 zu einer Art Kultklassiker geworden. Die in seinen weltweiten Spätvorstellungen an den Tag gelegte Publikumsbeteiligung– die sich sonst bei Filmen wie The Rocky Horror Picture Show zeigt – entkräftet seine vermeintlich minderwertige Qualität und seine bescheidenen Anfänge.

The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

In The Disaster Artist versucht James Franco, die Mythologie zu verstehen, die sich sowohl um den Film als auch um seinen Regisseur rankt. Bei der Darstellung der Dreharbeiten stützt er sich auf Aufzeichnungen des Schauspielers Greg Sestero, der neben Tommy Wisseau die Hauptrolle in The Room spielte. Franco selbst spielt den Regisseur Wisseau, der trotz vieler Zurückweisungen weiterhin versucht, es in Hollywood zu etwas zu bringen – eine mysteriöse Figur, ein lebendes Enigma, dessen Wurzeln noch immer Rätsel aufgeben. Dabei tappt Franco nicht in die Falle, sich in seiner Darstellung über Wisseau lustig zu machen, sondern porträtiert ihn – wie auch schon Tim Burton in dem Biopic über den ähnlich leidenschaftlichen aber talentlosen Ed Wood – mit Bewunderung. Zwar keine Bewunderung für sein filmisches Talent, aber doch Bewunderung für seinen grenzenlosen Optimismus und seine unermüdliche Ausdauer im Angesicht ständiger Kritik.

- Kris Woods

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Director: James Franco, with James Franco, Dave Franco, Ari Graynor, Alison Brie, Seth Rogen, USA 2017, 104 min, English with German subtitles, FSK 12, ab 8.2.

Often dubbed as ‘The Greatest Bad Movie Ever Made’, Tommy Wisseau’s The Room has amassed a huge and dedicated following, becoming something of a cult classic since it’s 2003 release. With midnight screenings all around the world and with audience interaction usually found in films such as The Rocky Horror Picture Show the film has gained a following that belies its quality or humble beginnings.

James Franco attempts to understand a little of the mythology around both The Room and its director with his film The Disaster Artist. Based on the account of the films production by co-star Greg Sestero, Franco plays director Wisseau as he attempts to make his own impact on Hollywood after numerous rejections. Franco embodies the character of the mysterious Wisseau, a living enigma whose origins remain until now unclear. Without falling into the easy trap of mocking, Franco, like Tim Burton in his biopic of the equally passionate yet inept Ed Wood, portrays Wisseau with admiration. Admiration perhaps not for his filmmaking talents but rather for his boundless optimism and his tireless perseverance in the face of a wall of negativity.

- Kris Woods

Source: IMDB

LICHT

Regie: Barbara Albert, mit Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm, Maresi Riegner, Österreich/Deutschland 2017, 97 min, Deutsch mit englischen Untertiteln, FSK 6, ab 8.2.

Barbara Alberts Licht ist nicht nur ein biografischer Film über eine weitgehend ignorierte Figur des kulturellen Lebens oder ein einfacher Kostümfilm. Er ist auch eine Untersuchung dessen, wie man wahrnimmt und wahrgenommen wird, wie man als Frau in einer streng patriarchischen Gesellschaft bestehen kann und wie Begehren und Anpassung miteinander in Konflikt stehen können.

The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

Maria Theresia von Paradis war eine Zeitgenossin der Komponisten und Musiker Hayden, Mozart und Salieri, ist aber heute in der klassischen Musik völlig in Vergessenheit geraten. Ende des 18. Jahrhunderts wurde von Paradis, die von ihrem 5. Lebensjahr an blind war, als musikalisches Wunderkind zu einer führenden Persönlichkeit der Wiener Gesellschaft. Der Film folgt der jungen und talentierten Klavierspielerin von Ende 1776 bis Mitte 1777, eine Zeit, in der ihre Eltern sie dazu bewegten, sich einer Therapie zu unterziehen. Unter der Behandlung von Franz Mesmer, ein Pionier fortschrittlicher Medizin und Vater der modernen Hypnose, gewinnt sie nach und nach ihr Sehvermögen zurück. Dieser Gewinn hat jedoch seinen Preis: mit zunehmender Augenkraft verliert sie ihre musikalische Begabung. Licht und die Geschichte von Maria von Paradis, wie alle guten Historienfilme, nutzt die Vergangenheit um wichtige Aspekte der Gegenwart zu beleuchten.

- Kris Woods

Director Barbara Albert, with Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm, Maresi Riegner, Austria/Germany 2017, 97 min, German with English Subtitles FSK 6, ab 8.2.

Barbara Albert’s Licht is not only a biopic of a much overlooked cultural figure or a simple period film. It is also an examination into the what it means to be perceive and be perceived, of what it means to exist as a woman within a strict patriarchy, and of the conflict between desire and conformity.

Maria Theresia von Paradis, a contemporary of composers and musicians such as Hayden, Mozart, and Salieri, has been all but forgotten in today's context of classical music in favour of her male counterparts. Blind from the age of 5, von Paradis was a musical prodigy and became a leading figure in Vienna society during the late 18th Century. The films follows her, a young and talented pianist, during the period of late 1776 until the middle of 1777. It is during this time that she, upon insistence from her parents, undertakes treatment to restore her sight. Under the care of Franz Mesmer, a pioneer of progressive medicine and father of modern day hypnosis, von Paradis gradually recovers her sight. This restoration, however, comes with a price: as her sight improves, her talent of music deteriorates. Licht and the story of Maria von Paradis, like all good historical films, uses the past to shine a much needed light on the issues of the present.

- Kris Woods

Source: IMDB

One of a kind interpretation by Noa Snir Instagram

The Untamed (La región salvaje)

Regie: Amat Escalante, mit Ruth Ramos, Simone Bucio, Jesús Meza, Eden Villavicencio, Mexiko 2016, 98 min, Spanisch und Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK 16, ab 1.2.

Am Waldrand, irgendwo im Bundesstaat Guanajuato, steht eine kleine Hütte, die ein mysteriöses Wesen beherbergt, das nicht von dieser Welt stammt. Der Anziehungskraft, die dieser Ort ausübt, kann auch das ältere Ehepaar, die ihn hüten, nichts entgegensetzen. So rein und unaussprechlich scheint die Lust und die Begierde, die dort hergestellt und gestillt wird, dass, hat man einmal von ihr gekostet, man nicht mehr ablassen kann.

The Theater of Eternal Music performing in 1965. From left, Toby Conrad, La Monte Young, Marian Zazeela and John Cale. Credit Fred W. McDarrah/Getty Images

Auch Véronica ist oft da. Wirklich erklären, was da passiert und wer ihr Liebhaber ist, kann sie anderen Menschen nicht. Doch als sie von dem Wesen verletzt wird, wird es Zeit, Abstand zu nehmen und ihm jemand Neues zu bringen. So kommen der Krankenpfleger Fabian und seine Schwester Alejandra ins Spiel. Alejandra wiederum ist verheiratet mit Ángel, der unter seinem Machismo und seiner Homophobie ganz eigene Probleme versteckt.

Toby Conrad in the documentary “Completely in the Present,” directed by Tyler Hubby. Credit via Tyler Hubby

So lässt Amat Escalante unter dem äußerlichen Fantasyelement auch eine deutliche Sozialkritik zu Tage treten, die das unterdrückte Begehren einer konservativ-katholischen Gesellschaft untersucht

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Manuel Alberto Claros Kamera entwickelt dabei – auch durch die Entscheidungen, was sie nicht zeigt – einen steten, ruhigen Sog, der eine fast hypnotische Wirkung entfaltet. Für seinen Film gewann der Regisseur in Venedig den Silberner Löwen für die beste Regie.

- Marie Kloos

Source: IMDB