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Baby Wolfgang präsentiert: ZENTRALFLUGHAFEN THF

  • Wolf Kino 59 Weserstraße Berlin, Berlin, 12045 Germany (map)

Regie: Karim Aïnouz, Deutschland, Frankreich, Brasilien 2018, Arabisch, Englisch, Deutsch, Russisch mit deutschen und englischen Untertiteln. FSK o.A.

Jeden Dienstag um 10:30 Uhr zeigt Baby Wolfgang aktuelle Kinofilme für Eltern und ihre Babys – Stillen und Schlafen ausdrücklich erwünscht! Dank reduzierter Lautstärke und gedimmter Beleuchtung sollen sich Eure Babys wohlfühlen. Abstellmöglichkeiten für eure Kinderwägen sowie ein Wickeltisch sind vorhanden und nach der Vorstellung könnt Ihr euch noch gemütlich ein Getränk in unserem schönen Café gönnen. Und sollte das eine oder andere Baby doch einmal unglücklich sein und während der Vorstellung schreien, haben die anderen Eltern dafür sicherlich Verständnis.

Wir zeigen jede Woche einen neuen Film, immer mit Untertiteln (meistens deutsche, manchmal englische), sodass ihr auch wenn es mal unruhiger werden sollte noch mitkommt.

Einer der größten und schönsten der Welt sollte der Tempelhofer Flughafen einst werden: eine imposante Empfangshalle, Reihen von Säulen, bogenförmig geschwungene Wände, spiegel glatte Steinböden. Beinahe wie ästhetische Architekturfotos lässt die Zentralperspektive der Aufnahmen das Gebäude erscheinen. In diese bedachte Symmetrie reihen sich jetzt stimmig weiße Kabinen und Bettenreihen ein, als vervollständigten sie erst das Bild: der Flughafen nicht mehr als Ort kurzzeitigen Ankommens und Abreisens, sondern als einer dauerhaften Verweilens.

Über ein Jahr begleitet der Film den achtzehnjährigen Ibrahim, der sich als einer von vielen Flüchtlingen hier im Wartezustand befindet. Während Bürokratie, Arztbesuche und Friseurtermine dem Alltag einen eigenen Rhythmus ohne Außenwelt zu geben scheinen, erzählt Ibrahim von ruhigen Sommern unter Obstbäumen auf dem syrischen Land und dem schlimmsten Tag seines Lebens. Auf dem Tempelhofer Feld wehen die Drachen im Wind, junge Menschen sitzen bei leiser Technomusik zusammen. In Syrien die Hitze, hier das kühle Blassgrün der Außenfassade. Sehr durchdacht und eindrucksvoll werden die Erinnerungen mit Bildern des Flughafengeländes in Verbindung gebracht und fügen sich vor dem inneren Auge zusammen, begleitet von aussagekräftigen Dialogen, die die Lebensumstände spiegeln. Die Kritik an ihnen bleibt unterschwellig – und lässt viel Raum für die eigene Reflexion.

- Lara Ladik