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Meister der Träume Double-Feature


 Salim Shaheen in einem seiner Actionfilme

Salim Shaheen in einem seiner Actionfilme

Anlässlich von Sonia Kronlunds Dokumentarfilm über den "Afghanischen Steven Spielberg" Salim Shaheen zeigen wir am Freitag dem 4.Mai neben ihrem Film auch einen von Salim Shaheens „Nothingwood“ Action-B-Movies.

Um 21.30 Uhr könnt ihr Sonia Kronlunds Meister der Träume sehen,

um 23.20 Uhr zeigen wir dann Salim Shaheens Champion

Preise: zusammen 12€, nur Champion: 3,50€

Facebookveranstaltung hier.

 

 

Zu Meister der Träume:

Der afghanische Regisseur Salim Shaheen ist ein Mann, der die Beschreibung „produktiv“ als völlig unzureichende Untertreibung erscheinen lässt. Als die französisch-schwedische Filmemacherin Sonia Kronlund ihre dokumentarische Arbeit mit ihm aufnimmt, dreht er gerade seinen 111. Film – obwohl die genaue Anzahl seiner Filme etwas unklar ist, da er gern zeitgleich an vier Filmen arbeitet. Das Ergebnis dieser Beobachtung, Meister der Träume, ist Kronlunds mitreißendes wie komisches Tribut an den sogenannten Ed Wood Afghanistans. 

Shaheen selbst inszeniert sich als eine Art Rambo, seine Filme tropfen von Testosteron und Heldentum. Wenn er Kronlund einen „wahren Mann“ nennt, ist das als höchstmögliches Kompliment gemeint. Kronlund kennt das Land gut durch wiederholte Reisen für den französischen Rundfunk und macht sich eine gewisse Naivität zunutze, um sich Zugang zu ihren Protagonisten zu verschaffen. Zu diesen gehört neben Shaheen auch Schauspieler Qurban Ali, charmant in mehreren Drag-Rollen – unter anderem als Shaheens Mutter. Zusammen mit Shaheen entsteht so eine Dualität männlicher Rollenbilder, welcher Kronlund mit großen Interesse folgt. 

Digital und auf Handkamera gedreht, vollgestopft mit Bollywood-Action und wilden Tanznummern – so unecht Shaheens Filme wirken, so real ist die Gewalt im Land. Wie auch Shaheen selbst sind die meisten Crew-Mitglieder erprobte Kriegsveteranen, die eine Kamera mit derselben Leichtigkeit tragen wie eine Kalaschnikow, und keinerlei Bedenken zeigen, echte Munition am Set zu verwenden. Für diese unerschrockenen Filmemacher ist ihre Arbeit wahrlich eine Sache von Leben oder Tod – wie etwa 1995, als eine Rakete in das Set einschlug. Für das Kino riskieren sie ihr Leben.

Eindrücklich nah trägt die Kameraarbeit von Alexander Nanau hinein in die wilde Weite Af-
ghanistans. Eine fast immersive Nähe, die schon seinen eigenen Film Toto und seine Schwestern über eine marginalisierte Roma-Familie in Bukarest zu einem großen Erfolg gemacht hat.

– Jana Gebhard