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FILMPOLSKA


  • Wolf 59 Weserstraße Berlin, Berlin, 12045 Germany (map)
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filmPOLSKA zeigt vom 24.04.-01.05.2019 bereits zum vierzehnten Mal, was polnische Filmkunst in seiner ganzen Vielfalt zu bieten hat.

Die Sektion Neues Polnisches Kino versammelt Autor*innenfilme aus den letzten Jahren. Das Programm umfasst Produktionen von polnischen Filmschaffenden oder Filme, die einen Bezug zu Polen oder polnischen Themen aufgreifen. Im Fokus des Wettbewerbs stehen Werken des polnischen Regienachwuchses.

Die diesjährige Retrospektive widmet sich dem Filmschaffen des Altmeisters Krzystof Zanussi. Anlässlich seines 80. Geburtstags eröffnet filmPOLSKA am 26.04. im Zeughauskino eine Werkschau mit seinen Filmen aus den 1970er Jahren, die zum „Kino der moralischen Unruhe“ zählen. Zanussis Filme spannen eine philosophische Welt auf und widmen sich den großen Fragen der Aufklärung und Menschheit.

Gelten in Zanussis Betrachtung der Welt noch Verhaltensregeln und Moral, zerbrechen sie im Werk von Wojciech Smarzowski gänzlich. Der Regisseur geht kritisch und radikal mit aktuellen sozialpolitischen Themen um. Seinem besonderen Blickwinkel auf die Welt, die aus den Fugen geraten zu sein scheint, ist die Hommage „Die Welt nach Wojciech Smarzowski“ gewidmet.

Do 25.4 19:00

NINA


Regie:Olga Chajdas, PL 2018, 130 Min., polnische OF mit deutschen UT

Nina ist Mitte 30, Lehrerin und mit Wojtek verheiratet. Die Ehe der beiden hat schon vor einiger Zeit einen toten Punkt erreicht. Um die Beziehung zu retten, suchen sie nach einer Leihmutter, die ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen soll. Mit der jungen Magda, die offen lesbisch lebt, scheinen sie endlich die ideale Kandidatin gefunden zu haben. Doch als sich Nina in Magda verliebt, verschieben sich die Verhältnisse – und alles, was in Ninas Leben vorher wichtig war, scheint plötzlich bedeutungslos zu sein.

Regisseurin Olga Chajdas fängt das komplizierte Beziehungsgeflecht ihrer drei Hauptfiguren mit höchster Intimität und einer bestechend schönen Bildsprache ein – und nähert sich nach und nach dem lesbische Begehren einer jungen Frau an, die im Polen der Gegenwart bis dahin in gesellschaftlichen Rollen und Erwartungen verfangen war. Für ihr sinnliches und subtil politisches Regiedebüt, das stereotype Darstellungen ebenso unterwandert wie einfache Antworten, wurde Chajdas bereits vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem renommierten Big Screen Award auf dem Internationalen Filmfestival Rotterdam.

„Eine energetische Feier lesbischer Sexualität!“ (Variety)

Fr 26.4. 19:00

WILKOLAK / WEREWOLF


Gast: Antoni Komasa-Lazarkiewicz


Regie: Adrian Panek, mit Sonia Mietielica, Kamil Polnisiak, Danuta Stenka, Nicolas Przygoda, PL 2018, 88 Min., OmeU polnisch. mit en. UT

Der Thriller beginnt mit einem Horrorszenario: Abziehende Nazis räumen das KZ Groß-Rosen und seine Außenstellen. Die meisten Häftlinge werden auf den Marsch nach Westen geschickt oder erschossen, nur wenige können entkommen. Das gelingt aber einer Gruppe Kinder und Jugendlicher, die von sowjetischen Truppen in ein verlassenes Schloss in den Bergen verfrachtet werden. Der vermeintliche Fluchtort entpuppt sich jedoch bald als Falle. Es gibt weder Wasser noch etwas zu essen – und im Wald liegen Leichen mit Bissspuren am Hals. Man sagt, geflüchtete SS-Männer hätten sich in Werwölfe verwandelt und suchten nun blutrünstig nach Opfern. Aber die Wahrheit ist viel schlimmer: Es sind abgerichtete KZ-Hunde, die nun führerlos durch die Wälder streifen und nach allem schnappen, was nach Fleisch riecht.

Im Rahmen des konventionellen Gattungskinos entfaltet sich auf engstem Raum eine atmosphärisch dichte Handlung mit überraschenden Wendungen, die nicht nur Spannung bietet, sondern vor allem intelligent ein ernsthaftes Thema durchbuchstabiert – den Krieg als Zeit der Barbarei und den Kampf der Zivilisation darum, wieder zu einem menschlichen und kulturvollen Umgang mit anderen und sich selbst zurückzufinden, kurz: vom Werwolf wieder zum Menschen zu werden.

Sa 27.4. 19:00

CÓRKA TRENERA / A COACH'S DAUGHTER


Gast: Karolina Bruchnicka

Regie: Łukasz Grzegorzek mit Jacek Braciak, Karolina Bruchnicka, Bartłomiej Kowalski, Agata Buzek, Piotr Żurawski, PL 2018, 92 Min., polnische OF mit deutschen UT

Erst ein gesundes, hochenergetisches Frühstück, dann Training und anschließend eine Autofahrt zum nächsten Ort. So verläuft jeder Sommertag von Tochter Wiktoria (liebevoll genannt Maniek) und ihrem Vater Maciej Kornet. Wiktoria soll eines Tages die beste polnische Tennisspielerin werden und in die Fußstapfen der frühzeitig abgeschlossenen Karriere ihres Vaters treten. Das sehr gut eingespielte Vater-Tochter-Duo scheint unzertrennlich zu sein. Alles verändert sich schlagartig als Igor, ein ebenso junger Tennisspieler, ein Teil ihrer Turnierreise wird.

Das Roadmovie von Łukasz Grzegorzek ist mehr als nur eine Geschichte heranwachsendender Teenager. In seinem Film stehen neben hervorragend gedrehten Tennisspielszenen schwierige Vater-Tochter-Konstellationen und unausgesprochene familiäre Konflikte im Vordergrund. Der Film wurde im Jahr 2018 mit dem Publikumspreis in Łódź und in Cottbus mit dem Hauptpreis „U18 Wettbewerb Jugendfilm“ ausgezeichnet.

Sonntag 28.4. 19:00

VIA CARPATIA


Gast: Julian A.Ch. Kernbach

Regie: Klara Kochańska, Kasper Bajon, PL 2018, 75 min., polnische OF mit deutschen UT

Sommer 2016. In den Nachrichten dominieren Informationen über die WM in Russland und über die Flüchtlingswelle nach Europa. Julia und Piotr sind ein kinderloses, mittelständisches Ehepaar aus Warschau, das bald auf ihren lang geplanten Urlaub fahren will. An ihrem letzten Arbeitstag fordert Piotrs Mutter ihren Sohn plötzlich auf, sich auf die Suche nach seinem syrischen Vater zu begeben. Den hat er seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen. Mit 10.000 Euro in der Tasche begibt sich Piotr gemeinsam mit seiner skeptischen Frau und ihrer Schildkröte auf die Reise nach Mazedonien und zum Flüchtlingslager nach Griechenland.

Der über 2000 km lange Fahrweg Richtung Süden wird für das Ehepaar schnell nicht nur zu einer Suche nach dem Vater. Die Flüchtlingskrise wird zu ihrer persönlichen Krise und gleichzeitig zu einer Chance sich gegenseitig neu kennen zu lernen.

In ihrem Debütfilm zeichnen Klara Kochańska und Kasper Bajon eine sowohl spannende als auch befremdliche Geschichte im modernen Europa nach. Die Zuschauer_innen reisen mit den Schauspielern in die Welt der wenigen Dialoge, denen es dennoch gelingt, wichtige gesellschaftliche Fragen nicht nur zum Thema Flüchtlingskrise zu stellen.

Mo 29.4. 19:00

ATAK PANIKI / PANIC ATTACK


Regie: Paweł Maślona mit, PL 2017, 100 Min., polnische OF mit deutschen UT

Der Episodenfilm erzählt Geschichten von Menschen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Zwei Teenager verpassen sich beim ersten Kiffen gleich eine Überdosis. Ein Noch-Ehepaar versucht im Restaurant, gesittet seine längst fällige Scheidung zu organisieren. Eine Internet-Porno-Queen bekommt mitten in den Dreharbeiten ungebetenen Besuch. Fluggäste schlagen sich mit unbequemen Sitznachbarn herum. Eine Braut muss ihre Hochzeitsfeier hochschwanger hinter sich bringen. Und ein Kellner versucht, moralische Spielschulden zu begleichen.

In seinem gefeierten, meisterhaft montierten Debüt webt der Regisseur in vorerst getrennten Erzählfäden, die er später geschickt und auf überraschende Weise miteinander verknüpft, ein Bild von gewöhnlichen Menschen, die in alltäglichen Situationen unvermittelt aus der Bahn geworfen werden. Wie sie sich mit allen Kräften gegen ihr grausames Schicksal wehren, ist tragisch und saukomisch zugleich, vor allem aber zutiefst menschlich. Denn in jedem von ihnen erkennen die Zuschauer_innen ein Stück von sich selbst wieder.

Di 30.4. 19:00

OVER THE LIMIT


Regie: Marta Prus, PL 2017, 74 Min., polnische OF mit deutschen UT

Eine junge, schlanke Frau kommt mit einer schwer aussehenden Sporttasche in die Sporthalle. Es ist die 20-jährige russische Kunstturnerin Margarita Mamun. Der neueste Dokumentarfilm „Over the Limit“ von Marta Prus schildert ihre Lebensgeschichte. Der Alltag in Nowogorsk’s Trainingszentrum ist geprägt von mühsamen Übungen und vielen Schmerzen. Immer mit dabei ihre eigene Trainerin und die Trainerin der russischen Nationalmannschaft. Neben der Sehnsucht nach freier Zeit, ihrem Freund Sasha (ebenso Sportler) und ihrer Familie in Moskau versucht die ambitionierte Sportlerin zwischen den beiden Frauen zu agieren. Trotz zahlreicher Konflikte haben alle schließlich nur ein Ziel: ‚Mutter Russland‘ stolz zu machen.

In ihrem Dokumentarfilm, dicht erzählt wie ein Psycho-Drama begleitet die Regisseurin ihre Protagonistinnen während der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele in Brasilien 2016. Dabei führt sie den Plot mit einer künstlerischen Reife und Präzision, die den Zuschauer_innen auch nicht die kleinsten Gefühl- und Stimmungsnuancen vorenthält.

Mi 1.5. 19:00


FUGA / FUGUE


Regie: Agnieszka Smoczyńska, PL/CZ/SUI 2018, 100 min., polnische OF mit deutschen UT

Nach ihrem gefeierten, furiosen, bunten Horror-Trash-Musical Córki dancingu/ Sirenengesang/ The Lure überrascht Smoczyńska mit einem ernsten Psycho-Kammerspiel, zu dem die Hauptdarstellerin Gabriela Muskała das Drehbuch schrieb. Sie verkörpert eine Frau mit einem doppeltem Knick in ihrer Biografie: Vor zwei Jahren war die brave Mutter aus der Gegend von Wrocław plötzlich verschwunden und hatte sich ohne jegliche Erinnerung in Warschau neu erfunden. Als starke, selbstbewusste Frau hat sie sich durchs Leben geboxt, bis eine TV-Sendung ihre Identität offenlegt. Nun ist sie zurück in den Armen ihrer Familie und könnte sich dort kaum fremder fühlen.

In dunklen Bildern und mit mutigem Sounddesign entblättert die Regisseurin das zerrissene Innere ihrer Hauptfigur, der sie stets dicht auf den Fersen bleibt. Dass diese nicht zwingend sympathisch, aber stets nachvollziehbar bleibt, ist neben einem gekonnten Schnitt vor allem der grandiosen Leistung der Hauptdarstellerin zu verdanken, welche Blicke tief in die Seele ihrer Figur zulässt, ohne sie vollständig zu enträtseln.

Earlier Event: April 23
The Quizzical Wolf #6