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Baby Wolfgang präsentiert: The Killing of a Sacred Deer

  • Wolf 59 Weserstraße Berlin, Berlin, 12045 Germany (map)

Kinoprogramm für alle Mütter und Väter mit Babys, die trotz der Kleinen nicht auf das Kinoerlebnis verzichten möchten. 

Jeden Dienstag um 10:30 Uhr zeigt Baby Wolfgang aktuelle Kinofilme für Eltern und ihre Babys – Stillen und Schlafen ausdrücklich erwünscht! Dank reduzierter Lautstärke und gedimmter Beleuchtung sollen sich Eure Babys wohlfühlen. Abstellmöglichkeiten für Eure Kinderwägen sowie ein Wickeltisch sind vorhanden und nach der Vorstellung könnt Ihr Euch noch gemütlich ein Getränk in unserem schönen Café gönnen. Und sollte das eine oder andere Baby doch einmal unglücklich sein und während der Vorstellung schreien, haben die anderen Eltern dafür sicherlich Verständnis. 

Dienstag, 16. Januar um 10:30 Uhr: The Killing of a Sacred Deer

von Yorgos Lanthimos, mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, UK/Irland/USA 2017, 121 min, Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK 16.

In seinem vierten Spielfilm zeigt Yorgos Lanthimos (Dogtooth, Alps, The Lobster) ein metaphysisch angehauchtes Familiendrama, das von emotionaler Kälte und zwischenmenschlicher Entfremdung erzählt. Steven Murphy, dargestellt von Colin Farrell, ist ein erfolgreicher und wortkarger Kardiologe, der durch die zunächst verheimlichte Bekanntschaft zu einem Jungen mit dem Namen Martin eine tödlich endende und wissenschaftlich unerklärbare Tragödie über seine Familie bringt. 

Steven scheint für Martin eine Art Vaterfigur einzunehmen; Martin sucht zunehmend Stevens Nähe und lernt seine Familie kennen. Stevens Frau Anne, dargestellt von Nicole Kidman, und ihre beiden Kinder Kim und Bob geben das ideale Bild einer wohlsituierten Kernfamilie mit Hund und Haus ab. Martins Eindringen in das familiäre Gefüge und die daraus entstehenden tragischen Folgen rufen Pasolinis Teorema in Erinnerung. Martins „übernatürliches“ Einwirken bringt die unbestechliche Fassade dieser familiären Zelle zum Bröckeln. 

Die Kamera vermisst in weitwinkligen Einstellungen tableauhaft die Räume, die dadurch etwas Absolutes bekommen und die darin agierenden Figuren zu Geiseln ihrer eigenen Umgebung, ihres Handelns und schließlich ihres Egoismus machen. Ästhetisch wird diese Wirkung durch die staffagenhafte Inszenierung von Lanthimos und das lakonische Spiel der Darsteller verstärkt. Der einzige, der sich dem zu entziehen vermag ist Martin, großartig gespielt von Barry Keoghan (u.a. Dunkirk). Er behält den ganzen Film über etwas Unberechenbares und entwickelt sich im spannungsvollen Fortschreiten der Ereignisse zum Antagonisten. 

Als Steven auf Distanz zu Martin geht und versucht, ihn aus seinem Leben wieder auszuschließen, verschiebt sich der Film ins Poetische. Seine Kinder beginnen an einer unerklärbaren Krankheit zu leiden, die etwas mit Martins mentalen Kräften zu tun hat. Steven wird dazu gezwungen, in Form einer existenziell leidvollen Entscheidung für Vergangenes Sühne zu leisten. 

Lanthimos stellt mit The Killing of a Sacred Deer das Schauspiel und die Doppelmoral einer zynisch gewordenen Welt wie auch den Moralbegriff des Zuschauers eindrücklich auf die Probe. 

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