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Baby Wolfgang präsentiert: Manifesto

  • Wolf 59 Weserstraße Berlin, Berlin, 12045 Germany (map)
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Kinoprogramm für alle Mütter und Väter mit Babys, die trotz der Kleinen nicht auf das Kinoerlebnis verzichten möchten. 

Jeden Dienstag um 10:30 Uhr zeigt Baby Wolfgang aktuelle Kinofilme für Eltern und ihre Babys – Stillen und Schlafen ausdrücklich erwünscht! Dank reduzierter Lautstärke und gedimmter Beleuchtung sollen sich Eure Babys wohlfühlen. Abstellmöglichkeiten für Eure Kinderwägen sowie ein Wickeltisch sind vorhanden und nach der Vorstellung könnt Ihr Euch noch gemütlich ein Getränk in unserem schönen Café gönnen. Und sollte das eine oder andere Baby doch einmal unglücklich sein und während der Vorstellung schreien, haben die anderen Eltern dafür sicherlich Verständnis. 

Am Dienstag, den 14. November um 10.30 Uhr zeigen wir MANIFESTO von Julian Rosefeldt, mit Cate Blanchett, Deutschland/ Australien 2015, 98 min, Englisch mit deutschen Untertiteln, FSK 0.

In Manifesto (er beruht auf einer Installation im Hamburger Bahnhof) spielt Cate Blanchett zwölf verschiedene Rollen, in denen sie verschiedene Manifeste spricht: Als gröhlender Obdachloser das Kommunistische Manifest Karl Marx’, in einem Großraumbüro skandiert sie das Manifest der Futuristen, „Das Leiden des Menschen interessiert uns so sehr wie das Leiden einer elektrischen Glühbirne“ (Oh wenn die Futuristen gewusst hätten, dass der lächerliche Mensch am Ende die Glühbirnen doch überleben würde.). Die unterschiedlichen Szenen entwickeln verbunden mit den Worten dieser Manifeste eine ungeheure poetische Wucht; man kommt nicht umhin sich zu wundern, wie sehr sich diese Deklarationen ähneln, obwohl sie doch zu ganz unterschiedlichen Zeiten, von ganz unterschiedlichen Menschen mit ganz unterschiedlicher Agenda verfasst wurden. „Unsere Häuser müssen wie gigantische Maschinen sein“, rezitiert Blanchett, dabei fahren Aufzüge auf und ab, wie kosmische Kapseln.

Nun gibt es kaum etwas so Furchtbares, wie Filme „die von ihrem/r Hauptdarsteller/in getragen werden“. In Manifesto liegt die Sache zum Glück etwas anders, weil der Film eben bewusst auch eine Feier von Cate Blanchett als Schauspielerin ist: Es ist eine Freude, zu beobachten, wie sich ihre Mimik, ihre Haltung, ihr ganzer Impetus verändert – sei es als reiche Vorstadtmutter, als Berliner Punk, als Rednerin auf einer Beerdigung – bis, jedes Mal auf andere Art und Weise, die Wut, der Rhythmus der Zeilen sie in Besitz nimmt. Ob einen das über die Länge des Filmes trägt, hängt davon ab, wie sehr man sich einlassen kann auf das Schöne und das Brutale der Texte, aber tut man es, sitzen die Zeilen noch lange später im Kopf fest, ein Chor, vorgetragen von einer einzigen Sängerin, ein Orchesterstück, gespielt von einer einzigen Geige.